20.03.2020

Büsumer Krabben reisen weit – und kommen immer frisch auf den Tisch

Jede dritte in der Nordsee gefischte Krabbe, die irgendwann einmal auf einem unserer Teller landet, war bereits in Büsum. Denn alle Krabben, die in einem der dänischen oder schleswig-holsteinischen Nordseehäfen angelandet werden, kommen zunächst in das Nordseeheilbad, um hier sortiert und zur Weiterverarbeitung auf die Reise geschickt zu werden. „Die Bedeutung des Büsumer Hafens für die Logistik der Krabbenfischerei hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, da neben den deutschen Kuttern auch dänische und niederländische Krabbenkutter in zunehmender Zahl regelmäßig in Büsum anlegen“, erklärt Hafenmoderator Jens Korte von der egeb: Wirtschaftsförderung.

An vier Siebstellen in und um Büsum werden die Krabben auf ihre Größe hin sortiert. Die größten Exemplare sind besonders beliebt und bringen am Markt den besten Preis. Der Sitz der Abnehmer ist in den Niederlanden; auch einige Kutterbesitzer mit Heimathafen Büsum stammen aus dem Nachbarland. Insofern wird ein Großteil der Krabben in Kühlfahrzeugen zunächst in die Niederlande gebracht, bevor sie die weite Reise nach Marokko antreten, und dort in ebenfalls gekühlten Hallen von Hand gepult zu werden. Aber auch in Polen wird ein kleinerer Teil der Büsumer Krabben geschält. Zurück in Europa erfolgt zunächst die Portionierung und Konfektionierung; dann geht es in die Regale der Supermärkte und Discounter.

„Jede Krabbe hat knapp 7000 Kilometer Fahrt hinter sich, bevor sie einige Tage nach dem Fang und immer noch mit einer Haltbarkeit von 21 Tagen versehen, zum Verkauf stehen“, weiß Rüdiger Kock zu berichten. Der Geschäftsführer der Büsumer Krabbenhandel GmbH, einer Tochtergesellschaft der Heiploeg International b.v., erläutert, dass bis zu 600 LKW pro Jahr Büsum anfahren, um hier die Krabben umzuschlagen. Hinzu kommen die 3000 bis 4000 Tonnen, die allein im Nordseeheilbad angelandet werden. Insgesamt werden so von den europaweit gefischten 30.000 Tonnen Krabben knapp 9000 Tonnen in Büsum sortiert und weitergeleitet. Aufgrund der von Saison zu Saison schwankenden Fangmengen variieren diese von Jahr zu Jahr.

Neben der Büsumer Krabbenhandel GmbH gibt es auch noch die Erzeugergemeinschaft der deutschen Krabbenfischer sowie die Klaas Puul BV und Gustav Rentel e. K., Westerdeichstrich, im Krabbengroßhandel vor Ort. Insgesamt sind dort rund 40 Mitarbeiter das ganze Jahr über beschäftigt. Alle Unternehmen stehen dabei vor logistischen Herausforderungen. Dazu gehört auch die weite Reise der Krabben nach Nordafrika und zurück. Sie ist nötig, da nur handgepulte Krabben sowohl hinsichtlich der Qualität, als auch im Hinblick auf die Haltbarkeit den Ansprüchen der Verbraucher genügen. Die Haltbarkeit vom maschinengeschälten Krabben gilt als deutlich geringer; entsprechend ist auch die Verarbeitung deutlich komplizierter.

Einige Sorge bereitet Rüdiger Kock die Entwicklung der deutschen Krabbenfischerei. In den 1980er Jahren gab es in Schleswig-Holstein noch mehr als 180 Fischereibetriebe, heute sind es nur noch 70, Tendenz weiter sinkend. Neben der demografischen Entwicklung kommt auch der Überalterung der einzelnen Krabbenkutter eine gewisse Bedeutung zu. „Wer im Wettbewerb eine Chance behalten möchte, muss ein modernes Boot besitzen – auch um trotz der stetig wachsenden Auflagen durch EU und Bundesregierung noch auskömmlich Fischfang betreiben zu können“, erläutert Rüdiger Kock und verweist auf die Niederlande, in denen die Rahmenbedingung zum Beispiel für den Kauf eines Schiffes deutlich besser seien als in Deutschland.